In einer mittelalterlichen Welt voller Magie setzt das Göttliche Imperium alles daran, die Herrschaft über die Welt an sich zu reißen. Zu diesem Zweck soll der Dämonengott Arawn aus seinem Schlaf geweckt werden und um ihn gnädig zu stimmen das Mädchen Riannon geopfert werden, eine Seherin und Nachkommin des legendären Elfenkönigs. Doch es kommt anders. Statt das Opfer anzunehmen befreit Arawn Riannon und schließt sich in der Folge, dem von ihrem Bruder Arthur angeführten Gael Stamm an, um ihnen beim Widerstand gegen das Göttliche Imperium beizustehen.
Nach den ersten beiden Folgen war mir schon klar, dass ich diese Serie nicht mögen würde. Zu dicht war da das Geflecht von ausgelutschten Fantasytropen, unsympathischen Charakteren deren Blutzufur zum Hirn scheinbar im Sekundentakt aussetzt und einer Story, wie ich sie als Fantasyfan der jede Woche ein neues Buch konsumiert schon hundert Mal gelesen habe.
Aber wenn ich die Serie schon nicht genießen kann, so kann ich mich wenigstens über deren Schwächen amüsieren dachte ich mir da und griff zum Notizblock, um mich anschließend lang und breit darüber auslassen zu können, wie sehr ich sie gehasst habe.
Der Block ist jetzt, nach der letzten Folge, verblüffend leer. ... [ mehr lesen ] Die ersten beiden Folgen sind tatsächlich die Schwächsten. Eine holde Jungfer wird entführt, um sie zur Auferstehung eines Dämonenkönigs zu opfern, der prophezeit ist, die Welt zu zerstören. Selbst wenn ich dem Bösewicht in diesem Fall eine gewisse Genreblindheit unterstelle - denn ernsthaft, wann ist so ein Plot jemals positiv für den Beschwörer ausgegangen? - muss man sich schon fragen, was er davon hat, die Welt zu vernichten. Vagnard in Record of Lodoss War hat als Nekromant wenigstens ein Motiv dafür, alle zu töten - auch wenn er das wohl nicht wirklich zu Ende gedacht hat, Untote sind nicht gerade als intellektuelle und witzige Gesprächspartner bekannt und nach ein paar Jahren, mit der Ewigkeit vor einem stelle ich mir das verdammt öde ... was? Oh, Tears to Tiara, stimmt.
Nach diesem lahmen Anfang bessert es sich zusehends. Sicherlich, die Story ist keineswegs revolutionär und alles hat man schon mal irgendwo gesehen aber das Ergebnis schafft es dennoch zu unterhalten, wenn man mit klassischer Fantasy etwas anfangen kann. Heldentaten, Schlachten, Duelle, Magie, Drachen, Untote, epischer Endkampf ... das einzige, was zu kurz kommt ist die Liebe, die höchstens angedeutet wird - was angesichts der Vorlage schon fast ironisch ist. Das Setting selbst leiht sich sehr viel von der Artussage, schafft dabei aber die Gratwanderung zwischen altbekannt und originell ausgesprochen gut.
Und ja, die Charaktere sind etwas zweidimensional, von Genki-Girl Morgan über Liebes-Mädchen-mit-Heilzaubern Riannon zum engstirnigen Arthur, der mit zunehmendem Verlauf etwas über Freundschaft und die wahre Bedeutung von Weihnachten lernt. Aber manchmal braucht man auch keine tiefsinnigen Charaktere, die alle paar Folgen ihre komplette Persönlichkeit umkrempeln und zu jeder Zeit ein Damoklesschwert des Jeder-Kann-Sterben über den Kopf hängen haben. In einem klassischen Fantasyplot gehen auch klassische Fantasy-Archetypen, sofern sie nur sympathisch genug sind. Und in diesem Aspekt hatte ich absolut nichts zu meckern.
Ich komme vielleicht etwas defensiv rüber und ich versuche einmal zu erklären, warum. Die Serie erschüttert nicht die Grundfesten der Fantasy mit Komplexität oder Originalität. Dennoch bleibt die Tatsache, dass ich trotz meiner Vorbelastung, trotz meiner chronischen Unzufriedenheit und trotz dem Fakt, dass ich Geschichten in dem Schema schon sehr oft gelesen habe die Serie in einem Rutsch sehen konnte und mich dabei zu jeder Zeit absolut glänzend unterhalten fühlte. Vielleicht liegt das an der guten Animationsqualität, vielleicht liegt das am chronischen Mangel an Fantasy-Animes, vielleicht stimmt hier auch einfach das Endprodukt. Die "Herr der Ringe" Filme haben mich ebenfalls gut unterhalten, obwohl ich die Charaktere und die Geschichte sowie die mannigfaltigen Variationen der Nachahmer schon seit 20 Jahren kannte. Und im Vergleich dazu ist Tears to Tiara noch sehr frisch und originell.
Punktabzug für das Opening, das man überspringen sollte. Nicht nur belästigt es einen mit unpassenden J-Pop-Gedudel, wo die Serie ansonsten mit sehr guter Musik aufwartet, sondern auch mit Spoilern. Abgesehen davon: Ansehen.
Tears to Tiara ist ein klassischer Fantasy-Anime wie er im Buche steht, der trotz der etwas ausgelutschten Thematik über weite Strecken gut unterhält. Im Gegensatz zu anderen Fantasy-Serien wurde er nämlich zumindest handwerklich gut umgesetzt. ... [ mehr lesen ]Die Vorlage stammt vom gleichen Entwickler, der schon Utawarerumono herausgebracht hat, und dessen Anime wurde auch von Oriental Light and Magic adaptiert. Dementsprechend findet man einige Parallelen zwischen Utawarerumono und Tears to Tiara. Die Geschichte dreht sich wieder um das Thema "Rebellion"; einmal mehr müssen sich die Helden gegen einen übermächtigen Feind zur Wehr setzen, und die Charaktere entsprechen den üblichen Visual-Novel-Stereotypen. Anders als bei Utawarerumono stehen diesmal die Massenschlachten nicht so sehr im Vordergrund und die Geschichte ist insgesamt abwechslungsreicher - ein großer Pluspunkt von Tears. Generisch ist die Handlung zwar immer noch, aber immerhin wurde sie gut umgesetzt, denn der Anime ist durchweg spannend und besitzt eine Menge packender, überdurchschnittlich gut animierter Kampfszenen. Die starken Animationsschwankungen von Utawarerumono gibt es zum Glück auch nicht mehr. Auf jeden Fall hätte ich den Anime ohne die gute Inszenierung der Kämpfe wohl schlechter bewertet. Sie tragen einen großen Teil dazu bei, dass er so gut unterhält.
Die Charaktere sind leider nicht ganz so sympathisch wie die aus Utawarerumono, obwohl einige nette wie Octavia und Morgan schon dabei sind. Die männliche Hauptrolle Arawn gibt auch einen besseren Helden als der zu blasse Hakuoro aus Utawarerumono ab. Dafür ist dann die weibliche Hauptfigur Riannon sehr schwach, praktisch eine Fantasy-Nagisa (Clannad) - immer lieb und nett, ohne Konturen und ziemlich weltfremd. Hier merkt man schon, dass die Vorlage eine Visual Novel gewesen ist. Trotzdem ist die Serie insgesamt ein gelungener Fantasy-Anime und im Genre "Klassische Heldengeschichte" wohl auch einer der besten der letzen Jahre.
Trotz stellenweiser guter Inszenierung, kann sich Tears to Tiara nie vom Manko der vorlagebedingten mäßigen Story und flachen Charaktere befreien und kommt damit nicht über einen durchschnittlichen Fantasy-Anime hinaus.
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Zwar muss man dem Anime zugestehen um Welten besser zu sein als seine Eroge-Vorlage, doch ist das mehr auf deren mindere Qualität zurückzuführen. Was sich beide teilen sind die sehr schwachen Charaktere, bei denen die Hauptpersonen nicht viel mehr sind als Standardkost und die Nebenfiguren überhaupt eher austauschbare (aber immerhin sympathische) Pappkameraden. Riannon als weibliche Hauptfigur ist durch ihre langweilige, rein auf Friedfertigkeit aufbauende Art ein völliger Fehlgriff und rückblickend gibt es mit Octavia überhaupt nur eine einzige Figur, bei der man von einer befriedigenden Charakterdarstellung sprechen kann, was allerdings darauf zurückzuführen ist, dass man ihr in der Playstation-Version des Spiels einen eigenen Arc spendiert hat, der hier auch umgesetzt wurde. Die Handlung wiederum bedient sich der diversen klassischen Elemente einer Fantasy-Geschichte, sprich Krieger, Zauberer, Dämonen, diverse Schlachten, etc. Selbst wenn man wie ich kein Fantasy-Fan ist, erscheinen sie nicht gerade innovativ, werden aber immerhin auch nicht wirklich langweilig. Womit der Anime punkten kann ist seine oftmals überraschend gute Inszenierung, die auch nicht auf die notwendige Gewaltdarstellung verzichtet. Besonders die Kämpfe sind über weite Strecken gut ausgeführt und sind dank der schnellen Schwertgefechte und der Magieelemente ziemlich ansehnlich. Diese Inszenierung ist es dann wohl auch, die den Anime letztendlich doch noch zu einer unterhaltenden Serie macht, während man sich ansonsten eben was Story und Charaktere angeht mit dem Mindestmaß zufrieden geben muss.