Yurie Hitotsubashi ist Schülerin der Mittelstufe und seit gestern eine der zig Millionen (Natur-)Götter Japans. Als wäre das nicht genug, veranstalten ihre Freundinnen mit ihr eine Göttererweckung der seltsamen Art auf dem Schuldach.
Was dann passiert ... und warum Japans Taifune oft ganz plötzlich aus dem "Nichts" entstehen, zeigt KAMICHU.
Schade, schade. Kamichu! ist eigentlich ein toller Anime, wären da nicht ein paar wirklich unschöne Aussetzer im Storybereich.
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Yurie Hitotsubashi ist eine kleinwüchsige, eher scheue Mittelschülerin, die ab eines schönen Tages mit dem Umstand klarkommen muss, zu einer Göttin geworden zu sein. Die Serie beschäftigt sich mit dem allmählichen Hereinwachsen Yuries in ihre neue Rolle, das parallel zum Schulleben stattfinden muss.
Technisch ist der Anime einwandfrei, sorgfältig gezeichnet und gut animiert. Das Charakterdesign ist stimmig und teilweise sehr niedlich ausgefallen. Die Vertonung ist ebenfalls gelungen: nicht unbedingt sehr vielfältig oder gar auffallend gut, aber stets angenehm präsent und passend. Opening und Ending fallen in dieselbe Rubrik, nichts Weltbewegendes, aber in Ordnung.
Die Charaktere besitzen zwar nicht allzu viel Farbe, ihnen Sympathien entgegenzubringen ist allerdings leicht. Die sehr schüchterne Yurie lernt nach und nach mit ihrer Doppelrolle als Schülerin und Göttin umzugehen und festigt ihren Charakter. Ihre Entwicklung in kleinen Schritten zu verfolgen macht Spaß, was nicht zuletzt ihrer niedlichen Art gedankt ist. Für ihr Alter ist sie allerdings etwas arg kindlich geraten. Pluspunkt ist definitiv das Fehlen nervtötender klischeetriefender Figuren. Charaktere wie Yuries Freundinnen (die nüchterne Mitsue und die lebhafte, geschäftstüchtige Schreinerbin Matsuri) oder ihr jüngerer Bruder Shoukichi sind zwar allesamt nichts neues, können aber auf Sympathieebene überzeugen. Die Atmosphäre ist ganz überwiegend heiter, Dramaelemente kommen über Alltagsprobleme nicht hinaus und die Romanze entwickelt sich passend zu Yuries zurückhaltender Persönlichkeit im Schneckentempo.
Für einen Liebhaber von slice of life-Animes, der keine Scheu vor Mystery-Elementen hat, klingt das nach einem echten Leckerbissen. Und tatsächlich startet der Anime sehr viel versprechend, doch verderben ein paar Episoden mit allzu moralinsaurer, mitunter zweifelhafter Botschaft den großen Genuss von Kamichu!. Manchmal schießen die Drehbuchautoren auch über das Ziel hinaus und der Fantasy wird des Guten zu viel abgeliefert. Exemplarisch möchte ich zwei Episoden herausgreifen, für alle Fälle aber in Spoiler-Tags.
Episode 4 beschäftigt sich mit einem UFO, das in Japan gelandet ist, um eine schrottreife NASA-Sonde zurückzugeben. Yurie wird zur Kommunikation mit dem gefangen genommenen Alien hinzugezogen. Shoujo-Anime goes politics for beginners. Sehr naiv vorgetragene Toleranz-Geschichte, albern und übertrieben.
Auf den Animefan, der ein bisschen Hintergrundwissen um den Zweiten Weltkrieg und in diesem Zusammenhang speziell über die Historie der Yamato hat, wartet mit Episode 9 ein echtes Schmankerl. Yamato-san liegt seit 1945 auf Grund und sehnt sich insgeheim nach seinem (Anm.: das Schiff ist - anders als im Deutschen - männlichen Geschlechts) Heimathafen. Heimkehren will der Geist des Schlachtschiffes aber auch nicht, schließlich wäre das nach dem Sinken mehr als peinlich. Also gibt Yamato-san den großen Bruder der dort ebenfalls gesunkenen kleineren Schiffe, die ihn alle sehr lieben. Ein echtes nice boat eben. Yurie möchte dem Geist des Schiffes gerne helfen, in seinen Heimathafen zurückzukehren. Dazu muss sie erstmal alles über die Yamato lernen, was wichtig ist. Wir Zuschauer bringen so die auf Minuten genau angegebene Lage des Wracks, die genaue Länge, Besatzungszahl und weitere, die Großartigkeit des Schiffes untermauernde, Fakten in Erfahrung. Wir sehen Sport treibende Seeleute an Deck und wissen nach der Folge sogar, dass die Yamato über eine eigene Limonadeherstellungseinrichtung verfügte. Man möchte meinen, da sei Aidas Urgroßmutter gesunken und kein Kriegsgerät. Wie Conny schon anmerkte, wird die Historie der Yamato fast gänzlich beiseite gelassen. Für den außerjapanischen Betrachter insofern interessant, als dass hier ein ganz gutes Bild japanischer Vergangenheitsaufarbeitung im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg aufgezeigt wird.
Das Fazit fällt leicht. Schöner Anime, mit liebenswerten Charakteren, gelungenem Witz und ansehnlicher Präsentation, dem allerdings ein teilweise schlimmes Script kräftig in die Suppe spuckt. Die Notengebung fällt ungleich schwieriger aus. Insgesamt kann man sich Kamichu! durchaus ansehen, vor allem die Folgen, die sich um das tägliche Leben der Charaktere drehen. Die Episoden mit politisch angehauchtem und allzu fantasylastigem Hintergrund sind dagegen schwach, mitunter in ihrer Aussage zweifelhaft und durch inflationären Gebrauch des erhobenen Zeigefingers nervig.
Kamichu ist einer von den Animes, die in der Animewelt Seltenheitswert haben. Man merkt sofort, dass es sich um ein Originalwerk handelt, denn der Anime hebt sich stark vom Einheitsbrei ab und besitzt eine erzählerische Qualität, die weit über dem liegt was der Durchschnittsanime zu bieten hat. Selbst wenn die Serie an andere Ausnahme-Animes wie Haibane Renmei oder Dennou Coil nicht herankommt, ist sie trotzdem so schön, dass jeder, der genug von den typischen Otaku-Animes hat, mal einen Blick riskieren sollte.
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Ich wäre nicht überrascht, wenn die Filme von Ghibli Pate für Kamichu gestanden hätten, denn die Erzählstile sind sich schon ziemlich ähnlich. Außerdem wurde auch gleich die Zielgruppe der Inspirationsquelle übernommen: die ganze Familie. Deswegen ist der Anime auch frei von Fanservice, Ecchi und Moe. Leider hat Kamichu trotz der inhaltlichen Qualität eine große Schwäche: er ist total episodisch. Hätte der Anime eine zusammenhängende Handlung, hätte ich ihn ohne zu zögern die Höchstwertung gegeben, aber so ist er "nur" gut. Der Handlung fehlt einfach ein roter Faden, da können die Geschichten der einzelnen Episoden noch so charmant sein.
Die handeln hauptsächlich vom Alltagsleben der Mittelschülerin und Göttin Yurie; ein Leben das wegen ihrer Kräfte natürlich alles andere als normal abläuft, obwohl die typischen Probleme einer jungen Teenagerin auch nicht zu kurz kommen. Die Geschichten greifen passend zu Yuries "Beruf" stark auf die japanische Folklore bzw. Mythologie zurück, ohne dabei zu vergessen, eine kleine Botschaft zu vermitteln. Es sind natürlich recht einfache Botschaften - Familieanimes werden eben doch hauptsächlich für die Kinder gemacht - und in manchen Episoden sind sie leider auch etwas nationalistisch, wobei ich aber bezweifle, dass dahinter irgendwelche "bösen" Absichten stecken.
Man sollte allerdings nicht erwarten, dass sich der Anime ernsthaft damit beschäftigt, wie sich die göttlichen Kräfte auf Yuries Leben und ihr Umfeld auswirken, dafür ist der Anime doch wieder zu kindlich. Andererseits ist es vielleicht auch besser, dass Kamichu auf übertriebenen Pathos und das Belehren der Zuschauer verzichtet. Besonders erwähnenswert ist noch die Animationsqualität, die selbst die meisten Spitzen-TV-Produktionen hinter sich lässt.
Im Anime stecken eine Menge liebenswerte und teilweise skurrile Charaktere, die zwar wegen der Zielgruppe nicht besonders komplex sind, aber auf jeden Fall das Herz am rechten Fleck tragen. Es müsen halt nicht immer Moe-Charaktere sein, das zeigt Kamichu nur zu gut, denn vor allem Yurie kann den ganzen Bishoujo-Stereotypen was Niedlichkeit betrifft locker das Wasser reichen. Die Heldin von Kamichu ist zwar auch etwas naiv für ihr Alter, aber von der überzeichneten Kindlichkeit der Moe-Figuren zum Glück noch weit entfernt. Leider zeigt sich die große Schwäche des Animes auch bei den Charakteren, denn in einer episodischen Geschichte ist es nicht möglich die Figuren richtig auszuspielen. Selbst wenn mal ansatzweise auf die Charaktere eingegangen wird, bleibt eine richtige Entwicklung meistens aus.
Ich krieg ja innerlich immer ein bisschen Wut, wenn ich Animes sehe die von Ghibli fast alles 1:1 abkupfern und fast nichts eigenes erfinden.
Kamichu ist zwar abgekupfert, ist aber dennoch nicht grottenschlecht. Allerdings auch keine Perle. Dazu waren mir einige Folgen zu fragwürdig.
Der Niedlichkeitsfaktor ist in dem Anime sehr hoch. Teilweise ist es einfach ZU niedlich, vor allem an der art wie Yurie spricht. Manche Folgen sind auch einfach zu langweilig und bieten weder melancholisches Feingefühl noch dramatisch Spannung.
Schockiert war ich bei der Folge mit dem Kriegsschiff. Da sehnt sich ein alter Mann nach der alten Kriegszeit und würde so gerne noch einmal das Kriegsschiff von damals sehen. Ich finde es einfach widerlich solch ein abscheulichen Patriotismus in einem Kinderanime zu zeigen. Ich war kurz davor die Serie zu droppen, würde aber gegen meinen Anime-Ehren-Kodex verstoßen ;) (Was angefangen wird, wird auch zu Ende gebracht egal wie gut/schlecht).
... [ mehr lesen ] Ebenfalls seltsam fand ich die Folge mit der Katzen-Gang. Erinnerte mich teilweise an Fight Club. Ich finde so ein rebellisches Zeug hat EBENFALLS in einem Kinderanime NICHTS verloren.
Die Animationen sind ebenfalls total auf niedlich gemacht. Auch die "Götter" sind recht einfallsreich gezeichnet.
Leider gefiel mir das Ende nicht. Man hat zwar versucht etwas Romanze mit einzubringen, doch fehlte es mir hier ordentlich an Tiefe. Es ist ähnlich wie damals bei I''s Pure.
Das Opening Lied ist ein typisches gute Laune Lied. Besonders gut gefallen hat mir das Lied aber nicht, es war nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich gut. Das gleiche gilt für das Ending Lied.
Fazit : Niedlicher Kinderanime mit fragwürdigen und geklautem Inhalt. Die niedlichen Charaktere verhindern aber eine totale Katastrophe. Schnell gesehen - schnell wieder vergessen.