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Ich komme grade zurück von einem sehr gelungenen Kinoabend auf der Berlinale, wozu zum einen der spottbillige Eintritt von 3,- €, zum anderen dieser wirklich gute Film ihren maßgeblichen Beitrag geleistet haben. Außerdem danke ich den Berliner Verkehrsbetrieben für den sicheren und ungewöhnlich pünktlichen Transport ;)
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Summer Wars ist der neue Film von Regisseur Mamoru Hosoda, vor allem bekannt durch Das Mädchen, das durch die Zeit sprang. Hier geht es nun allerdings nicht um Phänomene aus der Quantenphysik, sondern um den Einfluß von Social Networks auf die reale Welt und deren soziale Systeme. Ferner thematisiert der Film die Pflege familiärer Strukturen, sowie gemeinnütziges Engagement. Hier kommen wir auch gleich zum einzigen etwas sauer aufstoßenden Punkt dieser Madhouse Produktion, denn offenbar war man sich irgendwann nicht mehr so ganz im Klaren darüber, ob man hier eine nette und streckenweise wirklich herzerwärmende Geschichte erzählen, oder doch die eine oder andere Message transportieren wollte.
Die Geschichte beginnt in einem Computerraum, in dem die Freunde Kenji, seines Zeichens Mathegenie, und Takashi ihre Zeit im weltumspannenden Netzwerk OZ verdaddeln. Plötzlich platzt die ältere Natsuki ins Zimmer und bietet Kenji einen Ferienjob an. Ahnungslos willigt dieser ein, da er ohnehin heimlich in Natsuki verschossen ist. Doch schnell stellt sich heraus, dass seine Aufgabe darin besteht, vor ihrer Familie ihren Freund aus gutem Hause zu mimen. Der schüchterne Junge reagiert nachvollziehbarer Weise peinlich berührt und kommt darauf natürlich erstmal überhaupt nicht klar. Am Abend flattert ihm dann noch eine SMS ins Haus, die nur eine komplexe Zahlenfolge enthält. Alleine schon aus Gewohnheit entschlüsselt er den dahinter steckenden Code, woraufhin sofort sein Account gekapert und das Netzwerk ins Chaos gestürzt wird. Ab hier starten Trubel, Wahnsinn und Tumult innerhalb und außerhalb des Rechners auf heitere und auch leicht nachdenkliche Art. Netter Cast, gute Witze und eine leicht zu verfolgende Story, die aber keinesfalls abgedroschen daher kommt.
Auf technischer Ebene ist anzumerken, dass Animation und Zeichnung sehr gut gelungen sind. Die Hintergründe sind ansprechend, die Farbgestaltung ausgewogen, der Detailgrad ist annehmbar und das Charakterdesign sieht auch ganz nett aus. Allerdings lässt das Werk mancherorts musikalische Untermalung vermissen und wenn selbst im Kino die SFX nicht richtig knallen, dann wohl auch nicht auf DVD. Die Stellen, an denen es doch BGM gibt, sind dafür allerdings wirklich treffend gestaltet und unterstreichen die Szenerie auf durchaus angenehme Art.
Kurz: Wer sich bei der Inhaltsbescheibung etwas an Dennou Coil erinnert fühlt, der hat teilweise recht. Summer Wars ist familiengerecht, ruhig und sympatisch. Was den Film für meinen Geschmack jedoch besser macht als die vorgenannte Serie, ist seine Fähigkeit, die Gefühle des Zuschauers zu berühren, ohne dabei kitschig oder überkandidelt zu wirken. Allgemeine Empfehlung meinerseits, ungeachtet der im hinteren Teil fehlenden eindeutigen Richtung und Struktur.
Der meistüberschätzte Film des letzten Jahres? Als „Nachfolger“ meines Lieblingsanimefilms sowie Empfänger zahlreicher Auszeichnungen, hatte ich mir eigentlich viel von Summer Wars erwartet. Leider wurde ich weitgehend enttäuscht. Nie kommt der Film an Toki wo Kakeru Shoujo heran, denn er will einfach zuviel.
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Das Hauptproblem des Films ist meiner Meinung nach, dass er zwei stark unterschiedliche Handlungsstränge vereinen will und bei diesem Versuch letztendlich beide auf der Strecke bleiben. Dabei hätten beide Teile der Handlung für sich betrachtet grundsätzlich Potential. Einerseits ein virtueller „Krieg“, andererseits eine leicht skurrile Großfamilie. Leider ist das was dabei herauskommt nur eine ziemlich langweilige, weitgehend vorhersehbare virtuelle Handlung, sowie eine Geschichte über Familie und deren Werte, der die Zeit fehlt um sich zu entfalten. Über den Cyber-Part der Handlung gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Er greift das Thema eines das gesamte öffentliche Leben durchdringenden Social-Networks auf, was in der Idee und vor allem den Möglichkeiten für Cyber-Terrorismus zwar interessant ist, was in der Handlung allerdings nie über eine typische „Vereint gegen den übermächtigen Feind“-Geschichte hinausgeht. Die eigentlichen Stärken des Films würden im familiären, sozialen Bereich der Handlung liegen und sind dort auch durchaus vorhanden. Das Familienleben wird zwar mitunter etwas idealisiert dargestellt, allerdings sind es die hier vorkommenden schönen Momente, die einem beweisen, dass es der Regisseur grundsätzlich nicht verlernt hat. Leider sind das immer nur einzelne Szenen und vielleicht auch aufgrund des Zeitdrucks, fallen die Botschaften, die dieser Film in diesem Handlungsteil vermitteln will, letztendlich ziemlich plakativ aus. Nicht gerade positiv wirkt es sich dann zusätzlich aus, dass die beiden vermeintlichen Hauptpersonen im Umfang der sonstigen Handlung sowie unter der Masse an Nebencharakteren fast untergehen.
Fazit: Der Cyber-Part der Handlung ist nicht gut genug um die sich aufgrund des Zeitmangels ergebenden Defizite beim zwischenmenschlichen Teil auszugleichen. Als Fan von Toki wo Kakeru Shoujo vermisste ich charakterlich gut ausgearbeitete und damit entsprechend sympathische Hauptpersonen, sowie das gewisse Etwas bei der Handlung, das über die typischen familienfreundlichen Botschaften hinausgeht und den Film mitreißend machen würde. Kein schlechter Film, aber auch nichts, was man meiner Meinung nach gesehen haben muss und damit spürbar schwächer, als zuvor von mir erwartet.
Der neue Film von Hosoda ist schwächer als der hervorragende Toki wo Kakeru Shoujo, was vor allem an der für meinen Geschmack zu unentschlossenen Handlung liegt. ... [ mehr lesen ]Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich die Geschichte nur auf ein größeres Thema konzentriert hätte, selbst wenn man natürlich nicht abstreiten kann, dass es dem Film gerade um den Gegensatz von zwei grundverschiedenen Welten geht. Auf der einen Seite gibt es das moderne Internet, den Cyberspace, und auf der anderen Seite eine Großfamilie in ländlicher Idylle. Während das Zusammenleben und die Probleme innerhalb der Großfamilie durchaus interessant sind; eigentlich hätte das alleine schon gereicht, fällt der Sci-Fi-Teil der Handlung deutlich ab. Ich finde ihn nicht sonderlich spannend; dafür ist der Konflikt zu generisch und durchschaubar, und ganz besonders die Actionszenen wirken auch ziemlich aufgesetzt, obwohl sie natürlich gut in Szene gesetzt wurden. Es gelingt dem Film also nicht so recht Sci-Fi und Familiendrama miteinander zu vereinen.
In erster Linie ist es daher die Handlung, die ich im Vergleich zum Vorgänger weniger interessant finde, aber auch die Charaktere sind insgesamt schwächer. Dabei ist die Cast im Gegensatz zu Toki wo Kakeru Shoujo gigantisch und vielschichtig; handwerklich auch vollkommen in Ordnung, aber leider viel weniger sympathisch. Richtig vermisst habe ich eine interessante Heldin, denn sowohl die männliche Hauptfigur als auch die weibliche sind nur ein Schatten von Makoto aus Tokikake. Vielleicht liegt das aber gerade an der großen Cast, denn die klaut den beiden Helden schon eine Menge Screentime. Noch ein Grund mehr anzunehmen, dass Hosoda bei Summer Wars einfach zu viel gleichzeitig wollte. Animation und Regie sind dann aber wieder toll, so wie man es von diesem Regisseur erwartet.
Es ist wirklich praktisch in einer Großfamilie zu leben: Sei es ein Arzt, ein Computerverkäufer, Polizist, es findet sich einfach eine Riesenanzahl an Professionen auf einem Haufen, wenn einer etwas braucht, weiß der nächste zu helfen. Genau hier liegt auch die Faszination bei diesem Anime, die diesem zu einem irrwitzigen Durcheinander verhilft, der für Spaß bei Groß und Klein sorgt. Die Familie mag intern zwar einige Probleme haben, dennoch lieben sie sich alle irgendwo und wecken bei dem Zuschauer große Sympathie.
... [ mehr lesen ] Nun ist dies aber nicht das einzige, was diesen Film auszeichnet, denn Protagonist Kenji Koiso gerät durch Zufall in dieses Gestrüpp hinein und als wär das noch nicht genug, gibt es in der Cyberwelt Oz große Probleme mit einem Hacker, dessen Handeln verheerenden Auswirkungen auf die Realität hat. Das Chaos nimmt seinen Lauf und beide Welten beginnen sich aufeinander auszuwirken, sowohl das Leben der Großfamilie, die den Geburtstag der Großmutter vorbereitet als auch die virtuelle Welt, durch die fast die gesamte Welt kontrolliert wird, und die nun beginnt, die Erde aus ihrer bisherigen Ordnung zu bringen.
Besonders gelungen ist hier die Entwicklung der Familie und ihre Reaktionen auf die einzelnen Ereignisse, einige denken in die heldenhafte Richtung, andere nur an die Familie oder gar nur an Baseball, dieser Sport findet sich zudem in einer Parabel zum Film vor, wodurch die Entwicklung die Aussage des Films nochmal verstärkt wird. Wichtig sind hier vor allem der Zusammenhalt, die Hoffnung auf den Sieg gegen das Aussichtslose und der dazugehörige Wille. Kunterbunt geht es also in der Familie her, von denen die Figuren allesamt sehr unterschiedlich sind und auch einen für die kurze Zeit bleibenden Eindruck hinterlassen. Langeweile ist hier also zu keiner Zeit angesagt, allerdings sollte man hier auch nicht auf ausführliche Charakterentwicklung hoffen, denn dafür sind es einfach zu viele Personen und zu wenig Zeit. Dennoch sind die Figuren sympathisch und halten bei Laune.
Aber auch die virtuelle Welt ist nicht ohne, fast jeder Mensch hat einen Avatar in Oz, einer Welt, in der alles möglich ist, vom Sport treiben übers Konten verwalten bis hin zur hochwichtigen internationalen Angelegenheiten, denn das System von Oz gilt als das sicherste überhaupt. Eine virtuelle Welt mit Wächtern, Avataren, Spielen und allem, was dazugehört strotzt nur so vor Potenzial, sodass daraus eine 50-teilige Serie hätte werden können, aber hier beschränkt man sich auf die eben genannte Botschaft und führt sie dem Publikum in einem wunderbar herrlichen Finale vor, wie es kaum besser sein könnte.
Animationstechnisch hebt sich dieser Anime von anderen ab, hauptsächlich in der virtuellen Welt, die vor Farben und Fantasie nur so strotzt, die Bewegungen sind flüssig und das Charakterdesign in Oz ist ungemein vielfältig. Mimik und Gestik werden hervorragend in Szene gesetzt und lassen nichts zu Wünschen übrig. Hier wurde zudem auch sehr auf die Details in der Umgebung geachtet, sei es ein Nintendo Dsi, ein Ipod, Computer oder einfach ganz alltägliche Gegenstände, allesamt sind wunderschön gezeichnet und erwecken die Umgebung zum Leben. Auch darf man einige sehr komische Szenen bewundern, die die Eigenarten, besonders die Abgedrehtheit der Familie darstellen. Auch der Soundtrack ist sehr gelungen, auch wenn er sich nicht immer zeigt und ich mich zweimal fragen musste, ob sich die BluRay jetzt aufgehangen hat. Wenn er aber kommt, dann untermalt er hervorragend das Geschehen und transportiert die Emotionen der Hauptfiguren oder lässt die Action auch für das Ohr, nicht nur für das Auge, zum Vergnügen werden. Soundtechnisch lässt sich hier wenig beklagen, auch wenn es das ein oder andere Mal ruhig intensiver hätte sein können. Die japanischen Synchronsprecher leisten hier ausnahmslos hervorragende Arbeit, sie werden eins mit den Figuren und geben ihnen ihren Charakter, auch die deutsche Synchro geht in Ordnung, auch wenn es stellenweise nicht ganz optimal ist, das zeigt sich vor allem bei der Synchronisation der Figuren im betrunkenen Zustand.
Hanafuda, ein Kartenspiel, das heute in Japan vor allem durch Nintendo an Bedeutung gewann, zieht sich durch den ganzen Film und übernimmt mehrere Schlüsselrollen in der Handlung ein, vor allem hierdurch gewinnt der Anime an Individualität. Hinzu kommt ein Setting mit viel Potenzial, vielleicht zu viel, aber dennoch kommt es zu einem runden Abschluss, welcher das Herz vor Freude Salti machen lässt. Egal ob jung, ob alt, die warme Botschaft kommt bei jedem Zuschauer an und es sollte nicht verkehrt sein, in diesen wirklich großartigen Film einen Blick zu riskieren: Summer Wars ist etwas besonderes.
Mal wieder muss die Welt gerettet werden. Doch anstatt mit Knarren oder Schwertern geschieht dies nun virtuell. Zu schwitzen haben die Protagonisten von Summer Wars trotzdem. ... [ mehr lesen ] Da hatte sich der gute Kenji wohl seinen Job auf dem Land etwas anders vorgestellt als er das Angebot seiner Mitschülerin Natsuki annahm. Anstatt Computer zu reparieren oder im Garten Unkraut zu jäten, hat er die Aufgabe Natsukis Freund zu spielen und für die Augen der Familie der Musterschwiegersohn zu sein. Doch das Spiel findet ein jähes Ende als es heißt Kenji habe das globale soziale Netzwerk OZ gehackt.
OZ ist der zentrale Schauplatz von Summer Wars und der Alptraum eines jeden deutschen Datenschützers, denn der Name ist Programm. Es ist ein virtuelles Wunderland, eine Mischung aus Facebook, Amazon, Spielkasino und mehr - und globaler Marktführer. Durch diese Stellung entsteht auch ein Chaos als eine Künstliche Intelligenz die Kontrolle über das Netzwerk übernimmt und gar Satelliten in seine Gewalt bringt.
Summer Wars ist eine der wenigen (Nicht-Ghibli-) Anime-Filme, die es in das deutsche Free-TV geschafft haben. Dazu beigetragen hat vielleicht der Stil. Das Charakterdesign weicht von den Klischee-Kulleraugen ab und auch wenn die zentralen Personen wieder Jugendliche sind, so ist allein die Darstellung der gesamten (Groß-) Familie mal erfrischend anders und wirkt familientauglicher.
Persönlich sagt mir der Film mehr zu als sein Vorgänger Das Mädchen, das durch die Zeit sprang. Letzeres ist ein Drama mit dem Element Zeit, in ersterem kann man dann aber auch durchaus Gesellschaftskritik herauslesen. Es ist gewiss übertrieben, dass Kraftwerke oder Verteidigungsministerien an ein soziales Netzwerk angeschlossen werden, allerdings darf man in Google, Facebook & Co. eine gewisse Macht sehen. Allein Facebook hat 900 Mio. Konten mit mehr oder weniger ausführlichen Lebensläufen.
Die deutsche Synchronisation kann man als sehr gut bezeichnen, wobei ich das japanische Original nicht kenne, ich allerdings auch nicht das Gefühl habe, etwas stimmungstechnisch verpasst zu haben. Einzig als Informatiker hätte ich es schön gefunden, wenn man K.I. statt A.I. gesagt hätte, aber den meisten dürfte das eher peripher tangieren.
Fazit: Summer Wars ist ein toller Film, den man auch zusammen mit Anime-Neulingen ansehen kann, da weder Klischees bedient werden noch die Onlinewelt OZ kitschig oder nerdig wirkt. Als Anime-Fan kann man sich am Charakterdesign stören, muss man aber nicht.
„Auf dass alle Familienmitglieder sich nie loslassen mögen.“
Angepriesen als der Nachfolger des internationalen Erfolgs „Toki wo Kakeru Shoujo“ präsentierte uns Regisseur Mamoru Hosoda im Jahr 2009 seinen nächsten großen Film „Sommer Wars“, unter anderem auch auf der Berlinale. Der Genre-Mix aus Sci-Fi, Familienleben und der Allgegenwart sozialer Netzwerke, die immer mehr Einfluss auf Gesellschaft und Ökonomie ausüben, verspricht durch eine interessante und mehr als aktuelle Thematik, verknüpft mit der Botschaft mehr Wert auf familiäre Beziehungen zu legen, interessante Unterhaltung. Gelingt es den „Sommerkriegen“ tatsächlich dieses umfangreiche Themenspektrum hinreichend umzusetzen? Oder hat sich Japans „neuer Miyazaki“ doch eher im gewagten Spagat zwischen Provinzidyll und Cyberspace, zwischen Tradition und Moderne, verheddert?
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Nach Beginn der Sommerferien wird unser Protagonist Kenji Koiso von seiner Klassenkameradin Natsuki Shinohara eingeladen, um an einem großen Familienfest teilzunehmen. Er ahnt jedoch nicht, dass er hierbei als Freund des hübschen Mädchens agieren und diese Fassade vor einer traditionellen Großfamilie aufrechterhalten soll. Bald darauf erhält er eine Kurznachricht mit rätselhaftem Inhalt, einem Code, dessen Entschlüsselung auf Grund der Obsession des Mathematik-Genies ebenso schnell vollendet ist, wie die darauf folgende Katastrophe. Denn bei dem Code handelte es sich um den Schlüssel zur Manipulation des Netzwerks Oz, welches nicht nur Zentrum vieler sozialer Ereignisse, sondern auch wirtschaftlicher Aktionen ist. Ursache des Missbrauchs dieser Parallelwelt, die untrennbar mit der Wirklichkeit verknüpft ist, stellt der vom US-Militär entwickelte Virus „Love Machine“ dar, den es von nun an mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.
Von essenzieller Bedeutung sind dabei vor allem die verschiedenen Mitglieder der Familienbande, angeführt von dem Familienoberhaupt, einer rüstigen Matriarchin, die besser als jeder andere das Netzwerk einer im ganzen Land verteilten Familie zu nutzen weiß. Und auch wenn das Regiment des Oberhaupts im Laufe des Films endet, so ist es doch gewiss ihr Verdienst, dass alle im Kampf gegen den Feind im Cyberspace zusammenhalten. Bereits bei Betrachten des Filmplakats sticht einem die vielfältige Charakterriege ins Auge, die allesamt, trotz der großen Anzahl, in ihren verschiedenen Aufgaben, Berufen und Charaktereigenschaften glänzen. Vor allem überzeugt hier der Antagonist und Adoptivsohn der Familie Wabisuke, welcher ins Ausland ging, dort den Virus programmierte und letztendlich doch zu seiner Familie hält. Einzig der Hauptcharakter wirkt monoton und einfallslos, überzeugt jedoch in einigen Szenen durch sein mathematisches Können, welches ihn zumindest zum Schluss noch einmal in den Mittelpunkt rückt.
Animationstechnisch bekommt der Zuschauer wieder die von Hosoda gewöhnte Qualität serviert, wobei besonders die Internetplattform Oz mit ihrem schrillen Design und den zahlreichen Avataren, die von kindisch verspielt bis realistisch alle Stereotypen abdecken, zu überzeugen weiß. Erwähnenswert ist hierbei der Avatar King Kazuma, der für einige durchaus gelungene, wenn auch fragliche platzierte, Kampfszenen im Film verantwortlich ist. Markantestes Merkmal des Films ist jedoch das ständige Wechselspiel zwischen Landschaftsidyll und virtueller Realität welches durchweg sehr gelungen ist. Vor allem, wenn es darum geht die Auswirkungen der Krise auf die Realität zu bewältigen, wozu Großmutter lediglich ein Telefon benötigt, werden die Interaktionen der beiden Welten makellos dargestellt. Zudem bilden die handgezeichneten Landschaftsbilder und der traditionelle Haushalt einen erfrischenden Kontrast zur computeranimierten Parallelwelt.
Wird „Summer Wars“ also den enormen Erwartungen, die es als indirekter Nachfolger von „Toki wo Kakeru Shoujo“ geweckt hat, gerecht? Nein, keinesfalls. Nicht weil man es hier mit einem schlechteren Film zu tun hat, das ganz bestimmt nicht. Der Grund ist ein anderer. Die Bedrohung der Wirklichkeit durch einen Feind in der virtuellen Realität, der Protagonist, der in der abgelegenen Provinz gezwungen ist außerhalb des Krisenherdes zu agieren und dann auch noch die Bedrohung durch die Manipulation von Satelliten und Atomkraftwerken. Dies sind nur wenige Anspielungen, wenn man sie so nennen mag, die einigen Zuschauern bekannt vorkommen dürften. Denn anstatt an das zeitreisende Mädchen anzuknüpfen bedient sich Mamoru Hosoda mit „Summer Wars“ an seinem ersten großen Erfolg, dem zweiten Digimon-Film „Bokura no War Game“. Dies erweiterte er mit der Beziehung der beiden Hauptcharaktere, sowie der Botschaft über die Wichtigkeit familiärer Beziehungen und schon ist ein neuer Film entstanden. Einfallslosigkeit und Recycling der eigenen Ideen könnte man dem angepriesenen Anime-Regisseur vorwerfen, aber vielleicht wollte er einfach nur seinem Erfolgsfilm eine persönlichere Note verleihen, einen Film den man mit seinem Namen in Verbindung bringt und nicht mit einem riesigen Franchise. Fazit: Über den Wert als gesellschaftskritischer Film lässt sich bei „Summer Wars“ durchaus streiten und auch die mangelnde Originalität der verwendeten Ideen ist zu kritisieren, jedoch ist das Resultat von Hosodas Bemühungen, ein 114 Minuten langer Film, der diese Zeit auch mehr als zu unterhalten weiß. Er wollte „einen Film machen, den man als Abenteuer mit der gesamten Familie genießen kann, einen erfrischenden Film, genau richtig für den Kino-Sommer.” und in dieser Hinsicht überzeugt er tadellos. Summa summarum, ein kurzweiliger Film, der sich mit einer wichtigen Botschaft und aktuellen Problematiken auseinandersetzt und ausnahmslos jedem Animefan wie Nicht-Animefan zu empfehlen ist.