Man nehme einige Zeitlinien vom Amerika der frühen 30er Jahre, eine Vielzahl Mafiosi, Ganoven und andere Schurken als Hauptcharaktere, fast genauso viele verschiedene Handlungsstränge und schüttle alles einmal kräftig durch... ...et voilá, man erhält Baccano! Einen Anime, der auf einem Light Novel von Ryogo Narita basiert und für dessen Illustrationen sich Katsumi Enami verantwortlich zeichnet.
Man nehme ein komplettes Storyboard, hacke es in kleine Stücke, werfe diese in einen Mixer, gebe einen großzügigen Löffel Style + Coolness hinzu, verfeinere das Ganze mit einer guten Menge Blut, Mystery, Supernatural, Gangstern, Wahnsinn und -witz, drücke den Einschaltknopf und heraus kommt "Baccano!", ein Anime der auf den ersten Blick keine klare Linie hat und diese auch bis zum Ende gepflegt durchzieht ohne sich von den ungeschriebenen Regeln des schonköstigen Storytellings beirren zu lassen, ja diese sogar mit Füßen tritt und sich dabei kaputt lacht wie Pennywise. Und es funktioniert! ... [ mehr lesen ]Sieht sich das Publikum nach der ersten Episode, und auch noch wenige Folgen darüber hinaus, noch komplett verwirrt und von einem Handlungsverlauf vor den Kopf gestoßen der weder Hand noch Fuß zu besitzen scheint, so wird es am Ende um so mehr verblüfft sein wie durchdacht das Gesamtkonstrukt ausfällt das sowohl Story als auch Cast abgeben. Es ist nicht nur bemerkenswert wie die Skripter hier vorgegangen sind und mit wieviel Bedacht sie die etlichen Handlungsschnipsel von Episode zu Episode gekonnt verknüpfen, ohne dem Betrachter zuviel auf einmal zu verraten, sondern auch wieviel Spaß beim zuschauen durch diesen herrlich erfrischenden und mehr als gelungenen Versuch die Auffassungs- sowie Kombinationsgabe des Zuschauers zu aktivieren und zu fordern, entsteht. Und diese sollten besser auch ausgeprägt sein, denn nichts ist bei diesem Anime schlimmer als den Durchblick und/oder den Faden zu verlieren. Sollte das geschehen ist das beste was man machen kann alle Episoden die man bis zu diesem Zeitpunkt geschaut hat noch einmal komplett zu rewatchen, denn sonst wird die Anzahl der über dem Kopf schwebenden Fragezeichen irgendwann so groß das man die Serie nicht mehr auf unterhaltsamer Ebene verfolgen kann, da man sich nur noch frustriert den Kopf schrubbelt. Man könnte sich zwar an der absolut stylischen 30er-Jahre Atmosphäre, dem umfangreichen, und etliche interessante Individuen enthaltenden, Cast oder den von gräulich bis komplett krank reichenden Gewaltszenen erfreuen, aber das wäre nur ein Bruchteil des Funs den man haben kann wenn man die Handlung nicht mit jedem weiteren sich offenbarenden Bruchstück im Kopf zusammenfügt und sich ein um's andere mal das zufriedenstellende Gefühl, welches durch den "AHA-Effekt" ausgelöst wird, verschafft. Ja es stimmt, im Falle von "Baccano!" ist die Story der ganz klare Star in der Manege und überragt den Cast, den sie selbst zu recht oberflächlichen Bausteinen degradiert, deutlich wenn es um die Hauptquelle der Unterhaltung dieses Animes geht. Was aber auf gar keinen Fall heißt das man die Figuren allesamt in der Pfeife rauchen kann, denn auch wenn sie dank ihrer schieren Anzahl und dem, dank des kleinen Umfangs der Serie von nur 13 Episoden, denkbar minimalen Spielraum kaum Zeit und Platz haben sich am Ende als sonderlich gut entwickelt präsentieren zu können, so hinterlassen viele von ihnen dennoch Eindruck und bereichern die Geschichte nicht nur als unabdingbare Zahnräder, sondern auch als Spender von Belustigung, Coolness und Momenten in denen einem der Schauer über den Rücken jagt. Fazit: "Baccano!" ist stylisch, individuell mit seinem Storytelling, gewitzt mit seinen Charakteren und in mancherlei Hinsicht auch ein geisteskranker Psychopath, der gerne Blut als Fingerfarbe benutzt und ein breites, zynisches Lächeln im Gesicht trägt, was dem Zuschauer ungefähr soviel signalisieren soll wie "Ich nehme keine Rücksicht auf Weicheier und Philanthropen!". Sind damit alle gewarnt? Na dann: AUF ZUR HEITEREN SCHNIPSELJAGD!
Animation
Animationstechnisch macht "Baccano!" zwar keinen überwältigenden, aber einen mehr als guten Eindruck. Es gibt nichts was man als "flashig" bezeichnen könnte oder großartige Bildgewalt, aber in einem Punkt überzeugt die Optik definitiv auf ganzer Linie und das ist das Einfangen der Atmosphäre. Die die gesamte Serie stark dominierenden, tristen Farbtöne passen vortrefflich zur 30er-Jahre-Kulisse vor der sich die zwielichtigen Machenschaften der Mafia und der zumeist "graue" Alltag derer Mitglieder abspielen. Auch wenn sich das Geschehen an anderen Orten abspielt als in verrauchten Spelunken oder engen, düsteren Gassen in die nur wenige Lichstrahlen die sich dort befindenden Figuren bescheinen, stimmt das Ambiente zu 100 %. Sind es jetzt dunkle Kabinen oder enge, nur spärlich beleuchtete Korridore an Bord eines Zuges, die Atmo ist unheimlich dicht und sie verstärkt sich noch mehr wenn man die unbehagliche Gewissheit hat das irgendetwas Schauriges im Zug sein Unwesen treibt. Hinzu kommen noch ziemlich flüssige Charakterbewegungen und stellenweise geschickte Nutzung verschiedener Kameraperspektiven in hektischen Szenen die stilistisch einiges hermachen. Schönheitsfehler, wie ein wenig Inkonsistenz beim, übrigens recht indiviudellen, Charakterdesign oder ein paar Unsäuberlichkeiten bei den Charakterzeichnungen, wird man nur ausmachen wenn man gezielt danach sucht und sind demnach leicht zu verschmerzen.
Sound
Die musikalische Untermalung von "Baccano!" steht ganz und gar im Zeichen des Jazz. Das instrumentale Opening ist ein ziemlich gelungener und zum mitwippen verleitender Vertreter dieser Musikrichtung und passt wie ein Handschuh. Das Ending hingegen schlägt ruhige Töne an und säuselt melancholisch so vor sich hin wie man es von einer Ballade erwartet. Ebenfalls ein sehr guter Song, aber meiner Ansicht nach vieleiiiiicht ein wenig zu "herkömmlich" für eine Show wie "Baccano!". Die BGM fängt die Stimmung der Serie absolut perfekt ein und begleitet das Geschehen mit jazztypischen Instrumenten wie seichten Trompeten, Bassgitarren, "zartem" Schlagzeug und auch mal mit der Mundharmonika. Die gespielte Musik variert in punkto Lautstärke, Geschwindigkeit und Stimmung sehr im Lauf der Serie und unterstreicht den jeweiligen Moment ganz dick, egal ob dieser nun lustig, spannend oder dramatisch ist. Absolute Bestnoten verdienen sich die Seiyuus: In "Baccano!" tummeln sich einige "schräge" Typen die ein vielerlei Hinsicht einen Knacks haben, egal ob sie übertrieben happy, übertrieben ängstlich oder übertrieben psycho drauf sind. Wie die einzelnen Sprecher Figuren wie Jaccuzi, Isaac, Miria, Ladd oder Vino herüberbringen ist einfach nur genial und verdient Respekt ohne Ende! Sie machen die Charaktere zusätzlich zu deren Verhalten nochmal um eine ganze Stufe sympathischer, furcheinflössender und einfach einzigartiger als sie es sowieso schon sind. Meisterleistung!
Story
Die Story von "Baccano!" geht einen erfrischend, individuellen Weg mit ihrer Erzählweise und präsentiert 3 Timelines in denen sich auf den ersten Blick scheinbar zusammenhanglose Ereignisse abspielen. Was insbesondere nach der ersten Episode noch große Konfusion stiftet, stellt sich später als äußerst durchdacht und involvierend dar, da man zu einem gewissen Zeitpunkt den Kern der Story zwar ausmachen kann, jedoch nicht wie es zur Ausgangsposition kam in der sich die Handlung an diesem Punkt befindet. Um Informationen und Hintergründe zu liefern, macht die Story nun nicht auf hilfsbereiten Fremdenführer sondern springt, meistens gänzlich ohne Vorwarnung, kreuz und quer durch die Timelines, wobei sie die einzelnen Stories aufeinander treffen lässt oder sie im einzelnen dazu nutzt subtil auf Puzzleteile aufmerksam zu machen die der Zuschauer zusammenfügen muss um die Relation vieler Gegebenheiten zu begreifen. Zusätzlich werden im Laufe der Handlung noch einige interessante Elemente eingebaut, die zuerst etwas befremdlich wirken wenn man das mehr oder weniger realistische Setting um Mafia & Co bedenkt, sich aber dennoch tadellos einfügen und immer mehr Brisanz in die Handlung und die etlichen heiklen Situationen bringen in die die Charaktere geraten. Aus all dem zieht die Story von "Baccano!" ihre Faszination und Spannung, die zum energischen weiterschauen motiviert. Zumindest solange man gerne seinen Kopf benutzt und für Geschichten offen ist die einem mal nicht alles schön der Reihe nach auf dem Silbertablett kredenzen.
Charaktere
"Baccano!" beinhaltet nicht mehr und nicht weniger als 17 Charaktere, die eine aktive Rolle spielen. Bei einer Serie die gerade mal 13 Episoden umfasst, normalerweise der totale Overkill. "Baccano!" vermeidet diesen jedoch gekonnt, in dem man den einzelnen Figuren einfach keine sonderlich tiefgehenden Backstories, komplexe Gefühlswelten oder sorgfältige Entwicklung zukommen lässt und sich darauf beschränkt nur kleine, relativ oberflächliche Einblicke seitens des Zuschauers zuzulassen, die am Ende gerade ausreichen um sich von jeder Figur ein Bild zu machen welches, auf substantieller Ebene, zwar nicht übermäßig eindrucksvoll ausfällt aber dennoch gerade noch zufrieden stellt. Das interessanteste an den Charakteren ist aber eh wie sich ihre einzelnen Geschichten kreuzen und wie ihre Interaktion ausfällt wenn dies eintritt. Manche Figuren blühen sogar erst richtig auf wenn sie auf eine bestimmte andere Figur treffen, was entweder spaßig, spannend oder fürchterlich ausfällt und mitunter sogar in haarsträubendem, blutigem Chaos endet während dessen philosophische Debatten über Leben & Tod oder den Spaß am Morden geführt werden. Es gibt Figuren die sich allein durch ihre schiere, krasse Persönlichkeit definieren wie z.B. Ladd, Vino oder Miria und Isaac. Sie sind in vielen der Storylines absolute Stimmungsgaranten und das sowohl im komödiantischen als auch im schockierenden Sinne. Durch manche Charaktere erlangt "Baccano!" die Bezeichnung "Herrlich durchgeknallt und krank!" und sie tragen unheimlich viel zum Coolness-Faktor des Animes bei. Nicht alle der 17 Charaktere sind so stark und viele gehen auch ein wenig im Schatten der "auffälligen" Figuren unter, tragen aber immer etwas entscheidendes zum Gesamtergebnis bei, was zuweilen sogar die gesamte Story in neue Bahnen lenkt oder eine Situation zum positiven oder negativen wendet. Insgesamt muss man sagen das der Cast mehr ein Spielball der Story ist und wenig bis kaum Substanz hat, zumindest keine die beeindruckt, aber am Ende dennoch viele ineressante, teils geniale Personen beinhaltet die einfach rocken, Ärsche aufreißen oder einen zum lachen bringen. Das reicht bei einem Anime mit der Natur von "Baccano!" gänzlich aus.
Wert
Dieser Anime stellt mit seiner brillanten Art des Storytellings ein Unikat dar, welches obendrein noch mit seinem ungewöhnlichen Setting, genialer Atmosphäre und seinen zahlreichen unverbrauchten Charakteren die sich von den handelsüblichen Klischees weit abheben, überzeugen kann. "Baccano!" hat immensen Wert für Leute die sich beim Anschauen einer Serie nicht alles nach und nach in den Schoß legen lassen wollen, sondern gerne ihren Kopf gebrauchen. Wer Animes wie "Higurashi no Naku Koro Ni" deshalb bereits gefeiert hat, der wird "Baccano!" definitiv lieben.
"Baccano!" ist irgendwie erfrischend! Ja, das ist das richtig Wort. Durch seine Inszenierung und sein ungewöhnliches Szenario stellt sich der Anime bewusst gegen jegliche Sehgewohnheiten des Mainstreamzuschauers und präsentiert ihm stattdessen ein wahnsinnig spannendes und an manchen Stellen sogar witziges Gemetzel, welches immer wieder zu überraschen vermag.... [ mehr lesen ]
Jetzt hier von der Story zu erzählen kommt einer Sünde gleich. Eines sei aber gesagt: Dreh und Angelpunkt ist ein Überfall verfeindeter Mafiabanden auf einen Passagierzug. Von hier aus werden die zahlreichen, scheinbar zusammenhanglosen Storyfäden immer wieder ausgeworfen und der Zuschauer ist von Anfang an mittendrin. Denn schon gleich zu Beginn fliegen einem im Tarantinostil unzählige Handlungsstränge und Zeitsprünge (und auch ein paar Körperteile) nur so um die Ohren, sodass man zunächst einmal nicht mehr weiß wo oben und unten, geschweige denn rechts und links ist. Dass man im Laufe der Geschichte auch noch mit einer übermächtigen Anzahl an Charakteren konfrontiert wird, macht das Ganze nicht gerade leichter.
Wer sich aber davon nicht abschrecken lässt und am Ball bleibt, merkt schon bald, wie der Anime mühelos mit den verschiedenen Zeitebenen spielt, ohne aus dem Rhythmus zu kommen oder einen Verlust an Plausibilität zu erleiden. Die Storylines kommen sich immer näher und fügen sich am Ende zu einem logischen, homogenen Ganzen zusammen. Der Anime treibt die Spannung bis auf die Spitze und endet mit einem grandiosen Showdown.
Das im Verlauf der Geschichte ein paar Fragen auf der Strecke bleiben und ein paar Charaktere nicht genügend Screentime bekommen, war bei einer 13 Episoden starken Serie zu erwarten und ist auch eigentlich nicht weiter schlimm. Denn es interessiert nicht "was" passiert, sondern vielmehr "wie" es passiert. Daraus zieht der Anime seinen Reiz.
Zur Präsentation kann man nur eines sagen: Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Sowohl musikalisch, als auch optisch. Die Charaktere und Hintergründe sind detailliert und die Bewegungen der Figuren so dynamisch und flüssig, dass es eine Freude ist ihnen zuzuschauen. Großes Lob gibt es für das Opening, welches durch seinen lockeren jazzigen Sound nicht nur zum mitwippen animiert, sondern auch gleichzeitig die vielen Protagonisten vorstellt, was den Einstieg doch etwas erleichtert und dafür sorgt das man die Übersicht behält.
Fazit: Wer mit Tarantino & Co noch nie was anfangen konnte und schon bei den zusammengewürfelten Episoden von Haruhi nur verständnislos den Kopf schüttelte, sollte es sich vielleicht zweimal überlegen ob er einen Blick riskiert. Allen anderen sei diese "Gangstergroteske" nur wärmstens ans Herz gelegt. Voraussetzungen sind aber volle Konzentration und ein starker Magen.
Baccano beschreitet erzähltechnisch einen eigenen Weg und verflechtet mehrere Handlungsstränge und Zeitebenen miteinander, die langsam den Hintergrund der verschiedenen Protagonisten aufdecken.
Zu Beginn ist der Anime vor allem eines: verwirrend. Man wird in die Geschichte reingeworfen und erstmal von der Menge an Charakteren erschlagen. Dass die Handlung zusätzlich auch noch zwischen verschiedenen Jahren herumspringt erleichtert das Verständnis auch nicht gerade. Je weiter der Anime aber voranschreitet und je besser man sich dadurch in die Welt von Baccano einlebt, desto unterhaltsamer wird die Geschichte. D... [ mehr lesen ]er einen anfangs überfordernde Erzählsstil funktioniert überraschenderweise im Gesamten gesehen ziemlich gut und es macht sicher einen der Reize der Serie aus, die verschiedenen Geschehnisse zu verknüpfen.
Die Geschichte selbst ist abwechslungsreich, leidet aber etwas unter der geringen Episodenzahl, weshalb viele Aspekte verkürzt erscheinen oder auch nicht völlig befriedigend abgeschlossen werden. Das gleiche gilt auch für die Charaktere. Ihre Anzahl ist zu hoch, als dass Zeit bliebe wirklich Einblick in ihre Persönlichkeit zu geben. Aber dadurch, dass die Geschichte in verschiedene Handlungsstränge aufgeteilt ist, kristallisiert sich auch keine wirkliche Hauptperson heraus, weshalb man sich schnell damit zufrieden gibt, dass zumindest Einzelaspekte im Charakter der Personen aufgezeigt werden.
Fazit: Nach einem anstrengenderen Einstieg geht das Konzept der verschachtelten Erzählweise von Baccano überraschend gut auf und bietet einem abwechslungsreiche Unterhaltung.