Ende des 19. Jahrhunderts sieht sich die Menschheit einer schon fast apokalyptischen Gefahr ausgesetzt. Akuma, vom Millenium-Grafen aus den Seelen toter Menschen erschaffene Maschinen, drohen alles Leben auszulöschen und normale Menschen sind nicht in der Lage etwas gegen sie auszurichten. Die einzigen, die die Akuma bekämpfen können, sind sogenannten Exorzisten des schwarzen Ordens, deren Waffen mit einer göttlichen Kraft namens Innocence betrieben werden. Einer dieser Exorzisten ist Allen Walker, der sich nach seiner Ausbildung gerade auf dem Weg zum Hauptquartier des schwarzen Ordens befindet - ohne zu wissen, welche entscheidende Rolle er im Kampf gegen die Akuma bald spielen wird.
Packende, düstere Fantasy-Action gegen Ende des 19. Jahrhunderts und skurrile Figuren - das sind die Elemente mit denen D.Gray-Man überzeugt. Die Serie ist für einen überlangen Shounen-Anime schon ungewöhnlich gut, obwohl sie natürlich auch auf die bekannten Muster des Genres setzt. ... [ mehr lesen ] Im Prinzip ist D.Gray-Man also ein ganz typischer Shounen-Anime, der wieder mal vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse handelt, zumindest vordergründig, aber trotzdem gelingt es der Serie sich vom Einheitsbrei etwas abzuheben. Nicht zuletzt wegen des ungewöhnlichen Settings, das sich wohl am besten als eine Mischung aus Steam Punk und Gothic beschreiben lässt. Neben der düsteren Geschichte gibt es manchmal fast schon absurde Comedy-Episoden, die zur Skurrilität des Anime beitragen. Leider hat D.Gray-Man aber auch mit einer der größten Geißel der Animewelt zu kämpfen - uns allen unter dem Namen Filler bekannt. Gerade am Anfang tauchen häufig Fillerepisoden und kleine Fillerarcs auf, bis dann sogar ein großer Fillerarc von Episode 40-50 folgt. Danach bleibt der Anime glücklicherweise bis zum Ende fillerfrei. Wie es sich für das Genre gehört gibt es Unmengen von Actionszenen, die bestenfalls durchschnittlich animiert wurden, aber mMn trotzdem noch über dem Standard der überlangen Shounen-Serien liegen.
Ein Highligh des Animes sind sicherlich die Charaktere, die zwar nicht mehr Tiefe besitzen als in anderen Shounen-Geschichten, aber doch alle die eine oder andere urige Eigenart mit sich bringen. Während der Protagonist Allen noch ein relativ normaler, gutmütiger Shounen-Held ist, fallen besonders die Nebenrollen auf; z.B. Mr. bad ass Cross Marian oder die extrem unselbstbewußte Miranda Lotto. Noch interessanter sind die fast schon tim-burtonesken Gegenspieler, die alle eine Art gespaltene Persönlichkeit besitzen und genauso liebenswert-charmant wie sadistisch sein können. Am deutlichsten wird diese Skurrilität wohl beim Millenium Earl. Wo sieht man schon mal einen dauergrinsenden Goblin mit Frack und Zylinder, der wie der nette Onkel von nebenan spricht?
Exorcists... The ones chosen by God. They exist in order to hunt the ominous ones who live in darkness.
Ganze drei mal h... [ mehr lesen ]abe ich mir die erste Episode von D.Gray-man angeschaut und immer wieder die Motivation verloren einen weiteren „Endlos-Shounen-Anime“ anzufangen. Trotz des erfrischend düsteren Settings, der gut inszenierten Action und einem interessanten Protagonisten, braucht es eben doch eine Menge Motivation einen so episodenstarken Anime zu beginnen. Und zurückblickend, nachdem ich jetzt 103 Folgen lang über Allen Walkers Schulter blicken durfte, kann ich einmal sagen, dass für D.Gray-man wirklich Motivation gebraucht wird, sie sich aber auszahlt. Und das im großzügigen Maße!
Story Allen Walker ist unser Protagonist und steht momentan vor den Toren der so genannten „Dark Order“ - eine Organisation, die dazu existiert „Akuma“ zu beseitigen. Diese „Akuma“ (jap. einfach für böser Geist also Dämon) sind die Produkte von Trauer und irrsinniger Hoffnung. Denn sobald ein Mensch einen Geliebten verliert, erscheint auch schon unser Antagonist der Millenium Earl auf der Bildfläche. Er stellt dem Trauernden eine Frage, die wohl jeder Mensch in solch einer Situation gleich beantworten würde: „Möchtest du, dass ich deinen verlorenen geliebten Menschen wiederbelebe?“ Damit nimmt das Übel seinen lauf. Der Millenium Earl verschweigt nämlich in sorgfälltiger Regelmäßigkeit zu erwähnen, dass die Wiederbelebten auf ewig als Dämonen herumwandern müssen und nur einen Sinn im wiedererlangten Leben haben: dem Earl dienen. Hier kommt dann auch schon die Dark Order ins Spiel, die in Zukunft das Zuhause für unseren Helden Allen Walker sein wird.
So gesehen also eine typische Shounenstory über Freundschaft und dem Konflikt zwischen Gut und Böse. Die Akumathematik weist viele Parallelen zu den Hollows aus Bleach auf, was ich aber nicht wirklich als Kritikpunkt sehe, denn das gesamte Setting von D.Gray-man überzeugt so sehr mit ihrer Eigenständigkeit, dass jegliche Gedanken an irgendwelche bleichgesichtigen Monsterwesen, die mit Zanpaktous zersäbelt werden, rasch verfliegen. Die eben schon angesprochene Motivation ist, wenn man die Story genießen möchte, von großer Bedeutung. Ich weiß, es ist nur mäßige Unterhaltung, die innerhalb der ersten knapp 40 Folgen geboten wird aber es lohnt sich dem Anime treu zu bleiben, denn nach den ganzen Charaktervorstellungen und kleineren Comedyfillern beginnt D.Gray-man aufzublühen wie ein Nachtschattengewächs! Ab diesem Zeitpunkt heißt es: vergesst Bleach, vergesst Naruto (wenn ihr das nicht ohnehin schon getan habt) und vergesst Hunter x Hunter. D.Gray-man overpowert um es mal in Shounensprache auszudrücken, jegliche Shounenreverenz mit starken Charakterentwicklungen, heißen Kämpfen und dem – ich kann es nur wiederholen göttlich-düsterem Setting.
Charaktere Hier gilt: Qualität schlägt Quantität. Denn das was Bleach an Vielfalt hat, holt D.Gray-man locker mit Tiefgang ein. Sei es Allen als der Inbegriff eines Sympathieträgers, Lavi mit seinem inneren Seins-Konflikt, Lenalee als leicht desillusionierte Schwester eines sehr, sehr, sehr, ja wirklich sehr anhänglichen Bruders oder Kanda, dem seine mysteriöse Vergangenheit zu schaffen macht: Oberflächlichkeit findet man hier höchstens bei ein paar falsch positionierten Gags und keineswegs bei den Charakteren. So viel zu der guten Seite, denn mit den „Badasses“ von DGM lässt sich mindestens genau so gut sympathisieren. Der Earl spielt seine Rolle als Oberbösewicht nämlich sehr innovativ und überzeugt nach einer kleinen Weile mit seiner skurrilen Art. Die ihm angehörende „Noah-Familie“ steht dem in Nichts nach. Besonders Road hat sich mit der Zeit zu meinem absoluten Favoriten entwickelt. Also: Alles in Allem ein Charakterrepertoire, in dem für jeden Geschmack etwas vorhanden sein sollte.
Animationen/Optik Hier kann ich natürlich nur nochmal das wunderbare düstere Setting erwähnen, ohne das DGM einfach nicht der Anime wäre, der er ist. Was die Animationen betrifft, so wird hier eine gute Leistung abgeliefert. Die Animationen sind natürlich in erster Linie in den Kämpfen schön anzusehen und auch recht vielseitig gestaltet. Auch das Charakterdesign hat mir sehr gut gefallen. Es gibt so gesehen eigentlich keinen wirklichen optischen Faktor, dem ich zusprechen würde, dass er bei DGM nicht reinpassen würde.
Sound Akustisch konnten mich insbesondere die vier Openings begeistern. Das ist so ziemlich der einzige Shounen-Fight-Anime bei dem ich wirklich jedes Opening mochte, was vermutlich vorallem der Tatsache zu verdanken war, dass jeder Opener einem fetzigen J-rock um die Ohren knallt. Die Endings hingegen waren meist balladiös und verspielt traurig, was meiner Meinung nach auch einer der besten Wege ist einen Anime ausklingen zu lassen. Auch den BGM´s lässt sich kein Vorwurf machen, denn auch mitten im Geschehen lässt einem der Sound nicht im Stich. Insgesamt also eine glatte 1 in Musik für Allen und seine Kameraden.
Identifikation mit dem Genre Wie schon erwähnt hebt sich D.Gray-man in erster Linie durch das Setting von Bleach und Konsorten ab. Dennoch fand ich DGM in gewisser Weise sehr mitreisend, da der Spannungsbogen ordentlich strapaziert wird und ich mich oftmals tatsächlich dabei erwischt habe, wie ich in diese typischen „Shounenfallen“ für naive Zuschauer („Bösewicht holt zum Todesstoß aus – oh nein! Alles ist verloren!“ ) getappt bin. Bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass Allen nicht ganz der 0815-Shounenheld ist, sondern meiner Meinung wesentlich mehr Charakterstärke bietet.
Insgesamt D.Gray-man ist ein Shounen so, wie ich ihn mir eigentlich immer wünsche: Mal lustig, mal traurig, mal überraschend, mal blutig und fast immer mitreißend. Erwähnt werden muss allerdings, dass das Ende absolut niederschmetternd offen ist. Ich habe den Manga noch nicht gelesen aber mir wurde erzählt, dass der Stoff aufgebraucht war. Weshalb ich mir gut vorstellen könnte, dass es irgendwann eine zweite Season geben könnte. Also: Wenn ihr euch von einem offenen Ende mit der 50/50 Chance auf eine zweite Season und einer großen Anlaufzeit, die viel Motivation erfordert, nicht einschüchtern lässt und auch nur im geringsten Maße an Shounen/Fight interessiert seid, dann ist D.Gray-man für euch ein absolutes Must have seen!
D.Gray-Man enthält meines Erachtens eine sehr gelungene Story mit lustigen und trotzdem sehr tiefgründigen Charakteren (jede Figur plagt sich mit seiner eigenen Vergangenheit und nach und nach kommt Licht ins Dunkel). Eine interessante Geschichte und auch wenn ich hinzufügen muss, dass mir der Anime nicht so sehr gefällt wie die gelungene Mangavorlage, macht es trotzdem Spaß, Allen & Co. bei ihren Abenteuern in Farbe zuzuschauen. Die Figuren sind allesamt sehr gut gemacht, Allen schließt man sofort ins Herz und auch später eingefügte Figuren sind interessant dargestellt. ... [ mehr lesen ] Ein rockiger Soundtrack und schöne Farb- und Bildqualität runden D.Gray-Man gelungen ab. Die Serie ist nicht zu langatmig geraten, die Beweggründe der Charaktere sind gut geschildert und nachvollziehbar und die Spannung bleibt stets erhalten. Im Vergleich zum Manga fällt mir jedoch der ein oder andere Filler auf. Da diese mir auch in vielen weiteren Shounen ein Dorn im Auge sind, muss ich auch bei dieser Serie anmerken, dass die Zusatzepisoden das sonst fast makellose Bild von D.Gray-Man zerreißt. Die Story ist zwar keine große Innovation, aber der Shounen-Grundsatz ist hier unterhaltsam durchgesetzt worden, nebenbei lockert Situationskomik gekonnt das sonst eher triste Ambiente etwas auf. Kein Meilenstein, aber auf jeden Fall einen Blick wert für alle, die Action, Drama und Comedy lieben.