Alles begann mit einer seltsamen Erscheinung - einer grellen Lichtsäule mitten in der Nacht. Seitdem verschwinden Leute und es geschehen unerklärliche Selbstmorde und Morde. An allem scheint die Todesgöttin Boogiepop beteiligt zu sein und Nagi macht es zu ihrer Aufgabe, Boogiepop zu stellen und das Geheimnis um ihr Erscheinen in der Stadt zu ergründen.
Boogiepop Phantom ist eine Reihe lose zusammenhängender Einzelgeschichten, in deren Verlauf der Zuschauer nach und nach, aber nicht unbedingt in der richtigen Reihenfolge, in das Geheimnis um Boogiepop eingeweiht wird. Die entscheidenden Hinweise zu finden und zu enträtseln stellt den Zuschauer vor eine spannende aber nicht gerade leichte Aufgabe, die diese Serie zu einer fesselnden und nervenaufreibenden Mystery-Serie macht.
Ein ebenso spannender wie verstörender Thriller voller Metaphern und sozialkritisches Porträt der japanischen Gesellschaft: Boogiepop Phantom hat viele Gesichter und fordert dem Zuschauer ein hohes Maß an Konzentration ab.
Die Erzählstruktur ist komplex: In jeder Folge wird ein Geflecht rätselhafter Ereignisse immer weiter gesponnen, gleichzeitig aber auch das Schicksal eines einzelnen Menschen behandelt, dessen Leben unter starkem psychischem Druck aus den Fugen gerät. Es wird dabei nicht nur zwischen mehreren Zeitebenen hin und her gewechselt; Ereignisse, denen man zunächst keine Bedeutung zugemessen hat oder die sich nicht erklären ließen ergeben in späteren Folgen aus veränderter Perspektive und in anderem Kontext plötzlich einen anderen Sinn.
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Die Schilderung konzentriert sich stark auf die Gefühle und Motive der Charaktere, trotzdem gibt es aber keine Leitfiguren, die einen quasi an der Hand nehmen und durch die Serie führen, denn welche Personen im Zentrum des übernatürlichen Ereignisses stehen, das den Verbindungspunkt aller Einzelschicksale darstellt, klärt sich auch erst im Laufe der Geschichte. Diese bleibt auf konstant hohem Niveau anspruchsvoll, aber nicht undurchschaubar. Dafür sorgen immer wieder kleine Aha-Effekte, wenn sich Details aufklären ohne dass auch nur ein einziges Mal das sprichwörtliche Silbertablett benutzt wird oder der Spannungsbogen bricht. Ein Komplettverständnis ist beim einmaligen Durchschauen wahrscheinlich nicht zu erreichen, da die einzelnen Stories viel stärker ineinander verzahnt sind, als es zunächst den Anschein hat, aber auch ohne alle Puzzleteile zusammen zu haben, gelangt man am Ende zu einer zufrieden stellenden Auflösung.
Die Stimmung ist durchweg beklemmend, da ein sehr pessimistisches Bild einer Gesellschaft gezeichnet wird, die Außenseiter nicht toleriert oder schlichtweg ignoriert und mit ihren Problemen alleine lässt. Eine ungewöhnliche Optik unterstützt die dystopische Atmosphäre: Farbfilter lassen die Bilder genauso verblichen, trist und hoffnungslos wie die Welt der Protagonisten erscheinen und der Sound ist mit sehr viel elektronischen Klängen von Ambient bis Drum ’n’ Bass und der Verwendung verzerrter Stimmen auch alles andere als alltäglich.
Fazit: Eine stilistisch innovative und anspruchsvoll erzählte Mystery mit düsterer Atmosphäre, in die man nicht leicht hinein findet, die den aufmerksamen Zuschauer aber mit einem clever durchdachten faszinierenden Verwirrspiel belohnt.
Boogiepop Phantom ist ein beklemmendes Psychodrama mit Horror- und Fantasy-Elementen, das sich weitab vom Anime-Mainstream bewegt und mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist. Anders als die gut 40 Bewertungen zum Zeitpunkt wo ich diesen Kommentar schreibe vermuten lassen, ist BP aber nicht irgendein x-beliebiger Freak-Anime. Hätten die Produzenten bei der Story nicht allzu viel weggelassen, wäre das mit Sicherheit einer der großartigsten Animes überhaupt geworden, vielleicht sogar besser als Lain. Hier ist etwas ganz Großes verloren gegangen... ... [ mehr lesen ] Inhalt: BP besteht aus mehreren episodischen Kurzgeschichten, die alle im gleichen Zeitraum stattfinden und alle mit einem bestimmten Ereignis verbunden sind. Dieses Ereignis ist eine grelle Lichtsäule, die eines Nachts vom Dach einer Schule in einer nicht näher genannten japanischen Stadt in den Himmel schießt. In der Folge erhalten mehrere meist psychisch instabile Teenager aus dieser Stadt seltsame übernatürliche Fähigkeiten, die ihnen allerdings meist nicht lange Freude bereiten sondern in Verzweiflung und Wahnsinn enden. Ihr letztendliches Verschwinden wird in der Öffentlichkeit einem Todesgott zugeschrieben, und obwohl niemand wirklich an seine Existenz glaubt, kennt doch jeder seinen Namen: Boogiepop Phantom...
Anmerkung zur Story: Was hier vielleicht noch ganz harmlos und geordnet klingt, ist in Wirklichkeit ein ziemliches Chaos. Der Zuschauer wird ohne Vorwarnung mitten hinein in ein Geschehen geworfen, in dem die Protagonisten ebenso stetig wechseln wie die Zeit, in der die Handlungen spielen. Kaum hat man sich mühselig in die Story einer Figur gefizzt, verschwindet sie auch schon wieder vom Bildschirm (oder der Welt der Lebenden) und wird durch eine völlig neue ersetzt, deren Hintergrund erneut unbekannt ist. Erst nach und nach wird sichtbar, dass alle Figuren irgendwie miteinander verbunden sind, und aus dem Chaos wird mehr und mehr ein Puzzel, dass sich zunehmend zusammenfügt. Dennoch bleibt am Ende sehr vieles offen, was schlichtweg daran liegt – und hierin besteht das große Problem -, dass die Geschichte von BP eine Art Afterstory zur Light-Novel Boogiepop and Others ist. Ich selbst habe diese Novels nie gelesen und erst im Nachhinhein erfahren, dass viele der episodenübergreifenden Charaktere und Handlungen eine entsprechende Vorgeschichte haben, die im Anime aber mit keiner Silbe erwähnt wird. Man kann sich das etwa so vorstellen, als würde man den dritten Teil der Herr-der-Ringe-Trilogie vorgesetzt bekommen ohne die geringste Erklärung, was bis dahin passiert ist und vor allem, das überhaupt etwas bis dahin passiert ist. So wie es einem in diesem Fall erstmal völlig unklar sein wird, wieso da zwei kraushaarige Typen durch ein Land namens Mordor stapfen, muss man in BP rätseln, warum z.B. mehrfach eine mysteriöse Krankenschwester auftaucht, die für die Story irgendwie wichtig zu sein scheint, aber deren Handlungen bis zum Ende nicht den geringsten Sinn ergeben. Es gibt zwar eine Boogiepop-Live-Action, in der die Vorgeschichte durchexerziert wird und die einige Dinge klarer werden lässt. Allerdings ist auch diese LA nicht wirklich vollständig (die Krankenschwester-Story fehlt auch hier fast völlig) und dazu einfach so dermaßen beschissen, dass man sich lieber nur das halbfertige Afterstory-Puzzle geben sollte als sich damit die Stimmung zu versauen.
Was mich zur Überzeugung gebracht hat, dass sich aus BP etwas ganz Großes hätte machen lassen, ist neben der trotz alledem packenden Story vor allem der ultrafette Sound und eine der gelungensten Animationen in Sachen Düsterkeit die es wohl je gegeben hat. Leute, dreht die Boxen auf und macht das Licht aus wenn ihr euch den Anime anseht – gegen diese Atmosphäre wirkt sogar Ergo Proxy noch recht entspannt. Gleichzeitig will ich aber zu bedenken geben, dass sich jeder sehr gut überlegen sollte, ob das auch wirklich etwas für ihn ist: Thematisch geht es um die Ängste, Einsamkeit und Verzweiflung von Teenagern, die in irgendeiner Weise in eine Sackgasse geraten sind. Hier gibt es einen kein plötzlicher Twist mit Happy-End, und auch kleine comical-reliefs wird man vergeblich suchen. Alles was die Figuren erwartet, sind Wahnsinn und Tod. Auf der anderen Seite tauchen besonders im späteren Verlauf ein paar Folgen auf, die wunderbar poetisch und von einer unglaublichen melancholischen Schönheit sind, die vor dem allgemein düsteren Hintergrund fast schon erlösend wirkt. Das sind gerade jene Folgen in denen einige Hintergründe der Story erklärt werden und man einen Bezug zu den Figuren bekommt. In diesem Momenten zeigt sich das große Potential das BP an anderen Stellen tragischerweise verschenkt hat, als man auf eine Einführung in die vorausgegangene Geschichte verzichtet hat.
Insgesamt ist BP trotz der vielen Lücken ein sehr eindringlicher und bewegender Anime, den man als Fan von Psycho-Krams einfach gesehen haben muss. Da der Handlungsverlauf wie gesagt verwirrend und unvollständig ist, sollte man sich die 12 Folgen ohne größere Pausen ansehen, da man sonst die vielen Fäden zwischen den einzelnen Episoden verpasst und dadurch nur noch rettungsloser verloren ist. Nochmal der gut gemeinte Hinweis: Wie bei Higurashi no Naku Koro Ni erwartet einen hier eine psychische und emotionale tour de force, die durch die Abgründe der menschlichen Seele führt. Wer darin schon immer etwas Reizvolles gesehen hat, ist hier an der richtigen Adresse. Wer lieber im klassischen Sinne unterhalten werden möchte und wem solche Dinge zu nahe gehen, wird an BP hingegen keine Freude haben und kann guten Gewissens einen weiten Bogen darum machen.
Sicher nichts für Fans von leichter Unterhaltung und bunten Farben.
... [ mehr lesen ] In Boogiepop Phantom geht es im Prinzip um zerstörte Träume, den alltäglichen Schmerz und Traumata im Allgemeinen, bezogen auf die anonymisierte japanische Gesellschaft... (kann aber genau so gut auf die meisten anderen "Hochkulturen" übertragen werden)
Personifiziert werden diese Probleme und Ängste in Gestalt des "Boogiepop", einer mythischen Gestalt, die man am besten mit dem amerikanischen "Boogeyman" vergleichen kann. Brichst du zusammen, wird sie dich holen. In Zusammenhang mit dem Erscheinen des Boogiepop verschwinden nun regelmäßig Menschen spurlos und es geschehen einige Morde - doch warum? Ist Boogiepop tatsächlich real?
Um diese Fragen schlussendlich zu beantworten, muss man die Serie wohl schon einige Male gesehen haben, da Zeitsprünge und Erzählweise diesen düsteren Mystery-Anime nicht grade leicht verständlich machen. Absurd oder abgehoben ist die Geschichte aber trotzdem nicht und daher übt Boogiepop Phantom eine gewisse Faszination aus.
Intensiviert wird die bereits beschriebene beklemmende Atmosphäre durch den wirklich hervorragenden Soundtrack aus größtenteils verstörendem Techno, Ambient und Drum&Bass - hat mich sehr positiv überrascht. Weiterhin untermauern MADHOUSE dieses Flair mit tristen Farben und verschiedenen Filtern.
Da ich den Handlungsstrang dieser Serie aufgrund der vielen Zeitsprünge beim ersten mal leider nicht 100% geblickt habe, wird's wohl mal wieder Zeit für ne Komplettlektüre.
Fans von Ergo Proxy, Lain und Paranoia Agent können sich hier auf jeden Fall mal ordentlich das Hirn verknoten lassen. Definitiv eine der anspruchvollsten Serien, die ich jemals gesehen habe.